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Tierärztin Lisa Walter

Tierärztin Lisa Walter

Dass ich einmal Tierärztin werde, war wahrscheinlich schon immer klar. Bereits als kleines Kind hatte ich ein sehr großes Interesse an Tieren und wunderte mich, dass es meinen gleichaltrigen Freunden nicht genauso ging. Viele Jahre später ging ich tatsächlich zur Uni und war anfangs voller Ideale. Für mich war vollkommen klar, dass Veterinäre dafür da sind, Tiere zu beschützen und zu heilen. Ich war bereits Vegetarier und wurde bald zum Veganer. Leider wurde ich während des Studiums schnell desillusioniert. Eine Lehrstunde Tierschutz stand einem Vielfachen an Tierhaltung, Euter- und Klauengesundheit, Lebensmittel- und Fleischhygiene, Milchkursen, Bestandsbetreuung usw. entgegen. Ein Großteil der Kommilitonen belächelte und verspottete hoffnungslose Romantiker wie mich, die ausschließlich an das Tierwohl dachten. Die Professoren redeten vor allem über wirtschaftliche Faktoren und über die so genannten Nutztiere, die so widerstandsfähig wie machbar seien müssen, um den größtmöglichen Ertrag erzielen zu können. Ich zweifelte lange an meinem Berufsstand, entschied mich aber dafür, mir treu zu bleiben. Mit der Spezialisierung auf die Tierernährung beschäftigte ich mich zusehends mit der veganen Fütterung unserer Haustiere und entschied mich dazu, meine Hunde (die im Vorfeld gebarft wurden) versuchsweise vegan zu bekochen. Die Kritik anderer Menschen war groß, das Verständnis gering, meine Vierbeiner nicht artgerecht zu behandeln ein häufig gehörtes Argument. Aber ich lernte schnell, dass das einfach nur kleingeistige Gedankengänge sind. Meine Hunde vertrugen die neuen Mahlzeiten nämlich super und leeren auch heute noch mit großem Appetit ihren vegan gefüllten Futternapf. Sie sind gesund, riechen nicht unangenehm, verlieren nicht ungewöhnlich viel Fell, glänzen aber ganz wunderbar. Die Verdauung funktioniert noch etwas besser als beim Barf. Zahlreiche Hundebesitzer konnten mir bestätigen, dass sie ganz ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Einige chronisch erkrankte Vierbeiner gesundeten sogar durch die vegane Ernährung. Die Frage, ob das denn nun alles artgerecht sei, stellt sich mir selbst mittlerweile nicht mehr. Man spürt, wenn seine Vierbeiner glücklich sind und das zeigen sie mir jeden Tag. Ab und an fängt meine Romi eine Maus, trägt sie ein paar Meter mit sich und setzt sie wohlbehalten vorm nächsten Mauseloch ab. Sie ist eben kein Wolf, sondern ein ganz normaler Hund, der seine veganen Mahlzeiten liebt.

Lisa Walter Tierärztin von Vegdog

tierarzt@vegdog.de

 

Lisa.Foto_Romi